Gefährlich sind sie nicht

Ich überfliege die Lokalzeitung „Berliner Woche“ aus Reinickendorf-Nordwest vom 10. November 2010. Auf Seite 1 wird unter „Gefahr für Leib und Leben?“ über die „Erste Bürgerversammlung im Bezirk: Streit um trinkende Jugendliche“ in Tegel berichtet.

Bürger hatten an den Bezirksverordnetenvorsteher geschrieben und über nächtliche Lärmbelästigungen geklagt und ihre Verängstigung bei der Rückkehr nach Hause zum Ausdruck gebracht.
Auf der Versammlung meinte einer: Das sind unsere Kinder und gefährlich sind sie nicht. Auch die Polizei habe Entwarnung signalisiert, da im Juli keine Körperverletzungen gemeldet worden seien.

Ich selbst erinnere mich aber an Suchplakate der 3. Mordkommission, da in Tegel nachts in Höhe des Reinickendorfer Nordgrabens von einer demontierten Industriegleisanlage aus Pflastersteine auf die Autobahn geschleudert wurden, die schwere Beschädigungen an Fahrzeugen hervorriefen. Es kam trotz der Fahndung zu einer Wiederholung des lebensbedrohenden Unfugs.

In den nahen Anlagen des Humboldt-Gymnasiums hängen oft betrunkene Jugendliche bei Dunkelheit herum. Der Bezirksbürgermeister meinte auf jener Versammlung, die Polizei könnte nach ihrer personellen Ausdünnung gar nicht so viel mitbekommen, und Funkwagenbesatzungen seien einer Horde Betrunkener gegenüber ziemlich machtlos.
Über Videoüberwachung wurde diskutiert. Für Respekt vor den Jugendlichen warb Straßensozialarbeiter Taner Arci. Auch Michael Schulz, einst bei den Grauen und jetzt bei der Piratenpartei, bemängelte, dass man die Jugendlichen nicht zum Gespräch eingeladen habe. Jugendstadtrat Peter Senftleben (SPD) wiederum warnte davor, einfache Lösungen für ein komplexes System zu installieren: „Man darf nicht vergessen, dass viele Jugendliche hier Alkohol trinken wollen. In einer bezirklichen Einrichtung ist dies nicht möglich“.

So geht es bereits im Kleinen los, wenn Hedonismus (oder „Glück“) zum zivilgesellschaftlichen Ideal und Ziel erklärt wird.

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