Wie kam es zur Biotelie

 Als Zwölfjähriger musste ich hilflos dabei zusehen und hören, wie große Bomberverbände gegliedert als silberne Punkte am hellen Himmel über den Schwarzwald zogen, um ihre tödliche Fracht über deutschen Städten abzuladen. Da tat ich damals eines Tages ein Gelübde, dass ich nicht zur Tagesordnung übergehen würde, wenn dieser für mich so unendlich lange Krieg endlich vorübergegangen sein würde. Ich würde daraufhin arbeiten, ein politisches System zur Lebenserhaltung zu entwerfen, das auch moderne Kriege ausschloss. Von Anfang an hatte dieses System dem Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu dienen, weshalb ich ihm zunächst den Namen „Biologische Stabilität“ gab. Darunter verstand ich keineswegs ein Festhaltenwollen des derzeitigen Entwicklungszustandes, sondern die Erhaltung der Menschheit als Teil einer möglichst vielgestaltigen Natur in einer Art Fließgleichgewicht (Hans Driesch). Mein Schulkamerad, inzwischen Dr. phil. Dr. med., Rainer Stadler erinnert sich daran, daß ich ihm die Idee für ein derartiges System der Lebenserhaltung auf einem verregneten Klassenausflug auf den Feldberg im Schwarzwald bereits 1944 vorgetragen hätte.

Also richtete ich mein akademisches Studium von vornherein an diesem Ziel aus. Das Medizinstudium galt Anfang der 50er Jahren als das längste und vielseitigste. Die Universitäten befanden sich noch im Aufbau, die vorklinischen Semester verbrachten wir „Mediziner“ zusammen mit Physikern, Chemikern, Zoologen, Botanikern und am Rande auch Psychologen. Erst als „Kliniker“ wurden wir sozusagen ins Wasser geschmissen und hatten uns am Krankenbett zu bewähren. Ich holte mir bei den beiden zuständigen Fakultätsdekanen unter Vortrag meiner Idee die Erlaubnis zur Doppeleinschreibung in der medizinischen und juristischen Fakultät ein.
Am Studium der Rechtswissenschaft interessierte mich natürlich überwiegend Rechtsphilosophie und Naturrechtslehre; glücklicherweise hatte man in Freiburg (Breisgau) den Lehrstuhl für Geschichte der Rechtswissenschaft und Rechtsphilosophie errichtet und mit Prof. Erik Wolf besetzt.
Es waren nach der „Stunde Null“ 1945 doch Zweifel darüber aufgekommen, ob der als Doktrin geltende Rechtspositivismus das Richtige sein könne, nach der Verkehrung der Rechtsordnung in eine solche des Unrechts unter der Ideologie des Nationalsozialismus. Zur Erinnerung: Rechtspositivismus ist die herrschende Lehre, dass allein die von Parlamenten und Regierungen verkündete Gesetzgebung und allenfalls noch deren richterliche Auslegung für eine Befolgung verbindlich sei. Was als Rechtsnorm, also auch als Strafrechtsnorm zur Tatzeit nicht gültig war, darf nachträglich nicht als damals geltendes Recht ausgelegt werden.
Als Korrektiv kam es ergänzend zu den Menschenrechtsabkommen, von denen die Amerikanische Menschenrechtskonvention(AMKR) von 1969 die erste war; wonach die USA aber verschiedenen anderen internationalen Konventionen nicht beitrat.
„Das wohl bekannteste Menschenrechtsdokument, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, ist kein völkerrechtlicher Vertrag, sondern eine Resolution der UN-Generalversammlung und somit nicht rechtlich bindend, sondern eine politische Verlautbarung und Willenserklärung der UN-Generalversammlung vom 10. Dezember 1948.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechtsabkommen#.C3.9Cbersicht_.C3.BCber_die_Menschenrechtsabkommen

Mit der Erklärung von Menschenrechten ist ein Stück Naturrechtslehre in Rechtsprechung und Politik eingezogen; es handelt sich dabei in der Regel um zunächst unverbindliche Erklärungen von Fachkommissionen, die von Regierungen beauftragt wurden. Da die sogenannten Menschenrechte nicht auf einer ihnen entsprechenden Pflichtenordnung aufgebaut wurden, haben sie häufig mehr deklarativen Charakter und schießen oft über den durchsetzbaren, ja sogar sinnvollen Rahmen hinaus.

Im ersten Nachfolgeprozess des Nürnberger Prozesses vor einem US-amerikanischen Militärgerichtshof in München vom 9. Dezember 1946 bis zum 20. August 1947 waren 20 KZ-Ärzte und ein Jurist wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Mitgliedschaft in verbrecherischen Organisationen angeklagt und sieben davon am 2. Juni 1948 durch Erhängen hingerichtet worden, darunter auch der Vater eines meiner Klassenkameraden, bis zuletzt mein Sitznachbar. (Gesprochen haben wir nie ein Wort darüber; erfahren habe ich es von anderen.) 1945 bis 1948 waren bereits in Prozessen in den Internierungslager Dachau über 1.672 Angeklagte 426 Todesurteile gefällt worden.
http://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnberger_Prozesse

Juristen waren vergleichsweise glimpflich davon gekommen, da sie sich auf rechtsgültige Gesetze berufen konnten. Von einem Erich Wolf *) ist mir die lapidare Feststellung „Der Führer spricht Recht“ aus dem Internet in Erinnerung, und mir schießen dabei die Ereignisse um die Morde im Umkreis des „Rhöm-Putsches“ durch den Kopf, die auf Anordnung Hitlers durch das Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr vom 3. Juli 1934 nachträglich legalisiert worden waren.
*) Das Rechtsideal des Nationalsozialistischen Staates
http://de.wikipedia.org/wiki/Erik_Wolf#Herausgeberschaft
http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6hm-Putsch

An dieser Stelle möchte ich hervorheben, dass der erstaunlich rasche wirtschaftliche Wiederaufstieg der Bundesrepublik Deutschland nur dadurch möglich war, dass nach dem Zusammenbruch darüber weitgehend Einigung bestand, denjenigen Überlebenden, die nicht direkt an Kriegsverbrechen beteiligt waren, die Möglichkeit einzuräumen, ihre volle Kraft für den Wiederaufbau einzusetzen und für eine Fortsetzung der rechtsstaatlichen Entwicklung einzutreten.
Die derzeitige Sucht aus der „68er Revolte“ heraus sämtliche deutsche Geschichte und individuelle Verhaltensweise aus dem derzeitigen Zeitgeist heraus zu betrachten und jeden früheren Irrtum als „Fehleinstellung“ moralisch zu verurteilen, ja möglichst noch zu nachträglich bestrafen*), ist als heuchlerisch, pharisäisch und unangemessen abzulehnen. Eine derartige Haltung und Fehlverhaltensweise reiht sich völlig in den Ungeist ein, der mit dem Nationalsozialismus verurteilt wird, und aus dem wir ja herauskommen wollten.
*) etwa durch Straßenumbenennungen

Die Vergangenheit ist als Tradition in gewichtigen Teilen möglichst geschlossen zu erinnern und das Bewährte, und besonders Positive herauszuschälen, damit es der Fortentwicklung und Bewahrung des Lebens diene.

Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon
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Naturrecht
[246] Naturrecht ist das Recht aus reinen Vernunftbegriffen oder die Lehre von den allgemeinen und nothwendigen Bedingungen, unter denen ein freies und rechtliches Nebeneinanderleben der Menschen im Staate möglich ist. Es wird dem positiven Rechte als der Wissenschaft von den in einem bestimmten Staate wirklich bestehenden Gesetzen, welche [247] keineswegs immer mit den Foderungen des Naturrechts übereinstimmen, entgegengesetzt, während das Naturrecht bei allen Nationen dasselbe sein und die Grundlage jedes positiven Rechts ausmachen muß. Man kann diese Wissenschaft Naturrecht nennen, weil ihre Principien aus der menschlichen Natur hergeleitet werden müssen; doch wird dabei der Mensch als Mitglied einer bürgerlichen Gesellschaft und keineswegs als im rohen Naturzustande lebend gedacht, da in letzterm blos die Gewalt herrscht und von keinen Rechtsgrundsätzen die Rede sein kann. Zur Vermeidung dieses Irrthums würde man das Naturrecht daher passender Vernunftrecht oder philosophische Rechtslehre nennen. Seit man anfing, das Naturrecht als eigne Wissenschaft zu behandeln, sind die verschiedensten Systeme darüber aufgestellt und ist dasselbe demgemäß auch mit verschiedenen Namen belegt worden. Als den wissenschaftlichen Begründer desselben kann man Hugo Grotius betrachten, der erste Lehrstuhl des Natur- und Völkerrechts wurde aber für Samuel Puffendorf in Heidelberg 1661 gestiftet; von neuern Gelehrten haben sich um die Bearbeitung dieser Wissenschaft unter Andern Fichte, Wolf, Fries, Hugo, Marezoll, Warnkönig und Rotteck verdient gemacht.
Quelle: Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839., S. 246-247.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000847933
Lizenz: Gemeinfrei Faksimiles: 246 | 247 Kategorien: Lexikalischer Artikel http://www.zeno.org/Brockhaus-1837/A/Naturrecht

Ältere Definitionen sind häufig nicht die schlechtesten; regen zumindest zum Nachdenken an.
Die Bezeichnung, der Name „Naturrecht“ lässt aufhorchen und weckt Erwartungen sowohl als auch Ablehnungen, letzteres vor allem, weil er die Bezeichnung „Naturrecht“ so oft missbraucht wird. Damit befinden wir uns im Vorwort von
Erik Wolf, Das Problem der Naturrechtslehre – Versuch einer Orientierung / 3. durchgearbeitete und erweiterte Auflage 1964, Verlag C. F. Müller Karlsruhe (Freiburger Rechts- und staatswissenschaftliche Abhandlungen)

„Weil politisch-soziale Macht >gesetzliches Unrecht< erzwingen konnte und jederzeit kann, wird der Mangel eines >übergesetzlichen Rechts< (Radbruch) und die Notwendigkeit des Bestehens einer allgemein-menschlich-verpflichtenden Grundordnung überall empfunden.“ (a. a. O. S.19,20)
Erik Wolf verweist auf die Beflissenheit mit der „Verfassungsurkunden, Gesetzespräambeln, Gerichtsurteile“ sich auf Naturrechtssätze berufen.
Unser Grundgesetz spricht von >unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten< (Art.1), die Verfassung von Rheinland-Pfalz von >Gott als dem Urgrund des Rechts<, höhere Gerichte von >überpositivem<,>überstaatlichem<, >unantastbarem< Recht, von >Rechtsnatur<, >allgemeinem Rechtsempfinden<, überverfassungsmäßigen Normen<,>unabdingbaren Geboten der Gerechtigkeit<, ja sogar von >allen Kulturvölkern gemeinsamen Rechtsüberzeugungen<. (a. a. O. S.22,23)
Jedes Bedürfnis jeder Gruppe lässt sich offenbar so bemänteln, so dass schließlich viele Fachleute auf die Abschaffung von Naturrechtsbegründungen drängen, so auch Hans Kelsen.
http://www.rwi.uzh.ch/lehreforschung/alphabetisch/kley/ka/person/publikationen/Hans_Kelsen_und_die_Reine_Rechtslehren_JA_2001_2.pdf

Aber Recht und Gesetz sind eben doch nicht um ihrer selbst Willen da, sondern haben zunächst einmal der Erhaltung des Lebens zu dienen. Das Sich-Behaupten-im-Leben geht auch für die Menschheit als Ganzes vor dem Sich-Behaupten-im-Recht, da Rechtsordnung doch nur für Lebendiges Sinn macht.
Zurück zu Erik Wolf:
„Mangelndes Empfinden für die Paradoxie allen menschlichen Sichbehaupten im Recht, fehlende Scheu vor der Ineinssetzung einzelner sogar >naturrechtlich< gerechtfertigter, subjektiver Ansprüche mit objektiver Gerechtigkeit steigert aber die(in jeder Rechtsordnung und Rechtslehre) verborgene Gefahr „ein“ Recht oder gar „sein“ Recht zum Recht „an sich“ zu verabsolutieren. Es wird dann für Naturrechtslehre ausgegeben, was nur maskierter Positivismus ist („Naturrechtspositivismus“)….
(a. a.O. S.24)

In der Absicht , solcher Entwicklung der heutigen Diskussion des Naturrechts vorzubeugen, beschränkt sich unser Versuch einer Orientierung auf eine Analyse der verschiedenen Antworten, welche die Naturrechtsfrage bisher lehrmäßig gefunden hat. Wir verzichten darauf, den Inhalt des Naturrechtsgedankens in Gestalt eines Systems rechtsphilosophischer Grundsätze für Gesetzgebung, Rechtsprechung, und Rechtslehre anzubieten.Wir maßen uns nicht an, ihn aus einer Synthese alter Quellen oder aus neu entdeckten, bisher unbeachtet gebliebenen literarischen Zeugnissen erschließen zu können. Auch unterlassen wir es, aus theologischen, rationalen, historischen, biologischen und politisch-ideologischen Voraussetzungen einen Aufriss der Ur- und Grundordnung allen Rechts zu wagen. Diese Zurückhaltung wird geübt in der Überzeugung, dass es vor jedem derartigen Versuch der Topik der vorhandenen, sich überkreuzenden und bekämpfenden Naturrechtslehren, einer Situationsklärung bedarf.
Dazu kann die Gruppierungen der verschiedenen Möglichkeiten „Naturrecht“ zu denken und zu definieren, einfache oder komplizierter sein, sich auf Auswahl bestimmter Sichtweisen beschränken oder möglichste Vollständigkeit anstreben. (a. a. O. S.21,22) Je differenzierter der Versuch sich anlässt, um so mehr wird er dem kritischen Einwand unscharfer Abgrenzung ausgesetzt sein…

Wir glauben vielmehr, dass die Erkundung der Vieldeutigkeit der Naturrechtslehren uns die Eindeutigkeit (und Notwendigkeit) der Funktion des Naturrechtsgedankens um so deutlicher erkennbar machen wird; sie bewährt sich nicht so sehr theoretisch als in Begründung und Kritik, Vereinheitlichung und Vereinfachung positiver Rechtsordnung.
I s t alle Rechtslehre paradox, weil es ihr Wesen ist, das Unvereinbare zu verbinden, das Gegensätzliche auszugleichen und das dem einen Zukommende einem andern entkommen zu lassen, weil sie um der Gleichheit willen, Ungleiches gleich und Gleiches ungleich behandeln muss; weil sie (der Freiheit wegen) Gegebenes der Aufgabe und (der Notwendigkeit wegen) Aufgegebenes der Gegebenheit preisgeben muss — so kann die Naturrechtslehre diesen existentiellen Sachverhalt nur erhellen und bestätigen, aber nicht überwinden. (a. a. O. S.25,26)
Wie jedes Paradox jedoch — und jedem voran die Paradoxie menschlichen Daseins —, einmal erkannt, davor warnt, Seiendes zu verabsolutieren, so gibt der Naturrechtsgedanke eben diesem menschlichen Dasein eine beständige Mahnung: den unablässig wiederholten Ruf aller Zeiten nach besserer Gerechtigkeit nicht zu verschweigen, ihn gerade heute nicht zu überhören und sich vor intellektuellen Kunststücken zu hüten, die ihn zum Verstummen bringen könnten — wohl wissend, dass wir nie mehr als den flüchtigen Schein vom Licht wahrer Gerechtigkeit aufblitzen sehen.Genug, wenn er auch nur eine kleine Strecke unseres Weges erhellt.“ (a. a. O. S.26)

Mich hat solche Aussage schon damals im Kolleg nicht gerade befriedigt.
Das Durchvariieren der verschiedenen Bedeutungsauffassungen von Natur und Gesetz und ihrer Kombinationen schien mir nur dadurch beendet werden können, dass der Begriff der Natur mit dem des Rechts verschmolzen werden muss. Ist es doch die Natur zumindest des zivilisierten Menschen, Recht als Gemeinschaftsordnung zu haben, um die Schwächung seiner Instinktleitung auszugleichen und diese fürs Überleben zu übertreffen.
Da nur der Mensch Recht haben kann, kommt der Natur selbst kein Recht zu;
aber Natur hat Macht, und der Mensch ist gut beraten, auf die Natur gebührend zu achten und sich ihr einzuordnen.
Mich stört auch, dass Erik Wolf von der Paradoxie des Rechts spricht. Ist nämlich Recht in sich paradox, also widersprüchlich, so kann auch die Naturrechtslehre nichts retten. Die biotelen Aspekte werden nicht als widersprüchlich behandelt, sondern einige von ihnen als antagonistisch, d. h. gegenläufig wirkend.
Es gilt, im bei der Einzelfallentscheidung auszuloten, welche Richtung gerade eingeschlagen wird und was dies für die dynamische Stabilität bedeutet.
Sicherlich soll und kann Biotelie die Vielfalt des Naturrechtsdenkens nicht ersetzen, will es nicht beiseiteschieben. Es kann allenfalls als ein besonderes eigenständiges bioteles Naturrecht auftreten. Als solches hat es den Vorzug, dass seine Folgerungen, nämlich biotele Gesetze, an den Wandel der Verhältnisse angepasst, ständig über ein Regelwerk umgeformt und verändert werden zu können.
Mit der biotelen (Teil-)Gesetzgebung soll die Schwäche des Naturrechts unerzwingbar zu sein überwunden werden.

Gegen Naturrecht überhaupt spricht nicht, dass etwa in früheren Zeiten etwa auch die Sklaverei als natürlich gerechtfertigt wurde. Um nur einen Gesichtspunkt hierzu herauszuheben, sei daran erinnert, dass kulturelle und notwendige zivilisatorische Leistungen vor der Entwicklung moderner Technik anders kaum möglich gewesen wären. Wie krass das Rechtsbewusstsein sich gerade in den letzten Jahrzehnten veränderte, wird gerade bei der Lektüre von Erik Wolfs Abhandlung deutlich. Für einen Juristen, so merkt er beispielsweise an, verstehe es sich von selbst, „dass ein uneheliches Kind mit seinem Erzeuger als nicht verwandt gilt“. (a. a. O. S.1)
„D a s   P r o b l e m   d e s  N a t u r r e c h t s   i s t  e i n  a l l g e m e i n e s,  u n b e d i n g t e s,  u n b e s c h r ä n k t e s,   e w i g e s  u n d  u n l ö s b a r e s.“ Allgemein ist es, weil es im Dasein eines jeglichen Seienden als das Problem seiner Ordnung (jedoch zugleich im kosmologisch-biologisch-historisch verstandenen Ordnungsganzen des Menschseins gestellt ist. Unbedingt ist es, weil naturrechtliche Ordnung und Regel von keiner anderen abhängen kann (und soll) . Unbeschränkt ist es,weil jede denkbare rechtliche Beziehung (oder soziale Entsprechung) betreffend: es reicht von der Frage nach dem Recht Gottes auf den Menschen (dem Bund Gottes mit ihm) über alle Verhältnisse zu nächsten oder fernsten Menschen, zu Tieren, Pflanzen und Dingen bis zu der Frage nach dem Recht an oder auf sich selbst (der individuellen Daseinsordnung). (a. a. O. S.4,5) Ewig ist es, weil es (auch) nach dem In-Ordnung-Sein überzeitlichen (vor- und heilsgeschichtlichen) Daseins fragt. Unlösbar — invérifiable im Sinne Gabriel Marcels — erscheint es, weil es das Problem des Lebens selber: des Lebens als Ordnung, ist.
Aus dieser Bezogenheit des Naturrechtsproblems auf das Ganze des Lebens folgt, dass nach dem, was Naturrecht ist, wissenschaftlich nicht nur methodisch, sondern auch sachlich in m e h r f a c h e r Weise gefragt werden kann und muss … Der G e s e t z g e b e r möchte eine materiale (‚translegale‘ [Bohne]) Norm — einen Inbegriff, übergesetzlicher Rechtsgrundsätze‘ (Friedmann) über sich wissen, die ihm Grund und Grenzen seiner Macht weist, aber auch verbindliche Zwecke setzt und verpflichtende Ziele zeigt…“ (a. a. O. S.5)

Wo mit Biotelie Naturrecht verfolgt wird, da kann ein solches nicht die Forderung erfüllen, unter Natur die Einzigartigkeit etwa jedes Menschen zu verstehen und generell als solche unter allen Umständen sichern zu wollen, ohne auch die Bedürfnisse der diesen einzelnen tragenden Kollektive und die der Menschheit insgesamt zu beachten. Der Auflösung allen Rechts in Individualrecht etwa mit Felix Ekardt kann nicht gefolgt werden, da überschaubare Ordnungseinheiten und Konkurrenz zwischen ihnen im Sinne von PLURALITÄT (als Vielfalt) und SUBSIDIARITÄT als Gliederung Voraussetzung für Demokratie und ersprießliches Überleben in Massengesellschaften sind.

Erstmalig befasste ich mich damals auch näher mit den Kritiken Immanuel Kants, die mir hinsichtlich der Bedeutung des Aspektes der AUTONOMIE zu Einsichten verhalf. Freiheit basiert danach als AUTONOMIE auf Selbstgesetzgebung. Und ich begegnete damit einem ersten biotelen Aspekt auf der Suche nach weiteren. Zu meinem Trost hielt Kant es in einer Fußnote für möglich, dass ein Späterer die Wurzelbegriffe des Rechts auffinden und damit die Rechtsordnung vereinfachen könne.

Wenn Recht bereits bei Heraklit auch Streit bedeutet, Konkurrenz, um sich zu behaupten (a. a. O. S.33), so taucht damit auch der biotele Aspekt der AUSLESE auf, der heute unter Einfluss von Sozialisten und Pazifisten so gerne vernebelt wird, um ihr Süppchen zulasten anderer zu kochen — soweit sie sich damit nur zufrieden geben und nicht die Selbstbehauptung anderer in Frage stellen. Rechtsnormen können auch mit Hobbes den Spielregeln nahekommen, es kann nach der Fairness (Erik Wolf a. a. O. S.35) gefragt werden, wobei wir uns dem biotelen Aspekt der GEGENSEITIGKEIT (Wechselseitigkeit) menschlichen Verhaltens gegenüber einander nähern, unter dem Symbolbild der Waage das Sinnbild der Gerechtigkeit. Aber brechen wir die Durchsicht der Abhandlung hier bereits ab, zumal die Liste der biotelen Aspekte mir damals noch nicht zu Gebote stand.

Eine weitere Auffassungsmöglichkeit bei der Ansteuerung einer vernünftigen Ordnung bot sich mir in der Gesundheitslehre (Hygiene) einschließlich der Sozialhygiene dar. Dem Arzt als Physicus kam innerhalb der städtischen Ordnung dabei in der Vergangenheit eine führende Rolle zu. In seinem sechsbändigen Werk, System einer vollständigen medicinischen Polizey“, 1779 – 1819 legte dies Johann Peter Frank besonders eindrucksvoll und ausführlich dar; Frank gilt als Begründer der Sozialhygiene, wobei der Stadtphysikus auch für Bereiche wie die Bausicherheit von Türmen, für Brandschutz, für die Friedhofsanlagen und natürlich für die Seuchenbekämpfung zuständig war.
In diesem Sinne eines umfassenden Einsatzes für das Allgemeinwohl, die Erhaltung des Ganzen, schrieb Werner Kollath sein Buch „Politische Hygiene“.Ich suchte ihn, wahrscheinlich 1959, als Kranken im Freiburger Loretto-Krankenhaus auf, wo er das Gewicht seines Lebenswerkes ausschließlich auf die Ernährungslehre legte und dem von mir bevorzugten Thema auswich. (Ich hätte ja auch ein verkappter Journalist sein können, wie mir erst jetzt bewusst wird, denn von Kollaths vormaliger Verstrickung mit dem NS-System war mir damals nichts bekannt.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Kollath

Gesundheit des Menschen ist laut Weltgesundheitsorganisation „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“[1] („Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity)

Weitere Definitionen:
Nach dem Philosophen Friedrich Nietzsche: „Gesundheit ist dasjenige Maß an Krankheit, das es mir noch erlaubt, meinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen.“

Nach dem Soziologen Talcott Parsons: „Gesundheit ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums, für die wirksame Erfüllung der Rollen und Aufgaben für die es sozialisiert (Sozialisation = Einordnungsprozess in die Gesellschaft, Normen- und Werteübernahme) worden ist.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheit

Die dritte Definition, diejenige Talcott Parsons, ist mir — wenn auch unvollständig — noch die sympathischste, die erste Definition, durch die WHO, ist typisch für diejenige einer Kommission. Ein derart Gesunder würde sich vor Wohlbefinden, wohl nicht mehr von der Stelle rühren.
Ich würde mich aber auch nicht davor scheuen im Hinblick auf eine Familie, eine Gemeinde, ein Volk, ja der Menschheit als Ganzes einen Zustand der Gesundheit anzustreben und würde Biotelie als ein Werkzeug hierfür bezeichnen, nämlich als ein Werkzeug zur langfristigen Lebensbewältigung. Biotelie kann dann als System der Sozialhygiene aufgefasst werden.
Damit kommen wir der Gedankenwelt Friedrich Nietzsches näher und der lebenstragenden Bedeutung von AUSLESE.

Aber bereits Platon beschäftigte sich mit den negativen Folgen der Störung der natürlichen Auslese durch die menschliche Zivilisation, die er auf lange Sicht dadurch in Gefahr sah. Aus heutiger Sicht müssen wir natürlich heftig ablehnen, wenn Platon empfiehlt, Kriegsverletzten Käse in die Wunden zu streuen, damit sie daran zugrunde gehen, da sie ja wehruntauglich geworden seien, d. h. keine tüchtigen und brauchbaren Mitglieder des Wehrstandes mehr (Platon, Der Staat).
Die Zerstörung der Natur als lebendige Umwelt und Mitwelt und ihre zerstörerischen Folgen für die anwachsende Menschheit und deren Gesundheit treten seit der Industrialisierung mit ihren Kohlegruben und dem maschinellen Erzabbau seit dem 19. Jahrhundert immer mehr ins Bewusstsein der Nachdenklichen und heute auch der allgemeinen Öffentlichkeit.
Wenn die politisch Linken Adolf Hitler heute zur extremen Rechten und als Konservativen einstufen, um konservatives Denken zu verteufeln, so ist dies eine von den Intelligenteren unter ihnen aus mieser Berechnung angestellte Irreführung der Allgemeinheit, um mit der Nazi- und Holocaustkeule jedes Nachdenken über die wahren Lebens- und Sinnzusammenhänge zu blockieren. Die Sozialisten lenken damit von den drängenden politischen Problemen ab, für die sie ihrer eigenen ideologisch-verengten Weltanschauung heraus selbst keine Lösung finden können. Sie stecken selbst in dem Sumpf, in dem festgefahren zu sein sie den Marxismus-Ungläubigen vorwerfen.
Hitler war keineswegs die absolute Personifikation und Fleischwerdung des Teufels, des Bösen an sich, als was er heute dargestellt wird.
Er war tierlieb, zumindest ein Hundefreund, Vegetarier und sorgte sich um Naturschutz. Als konservativ kann die NS-Bewegung insoweit bezeichnet werden, als sie für Erhaltung der Natur, der Heimat, des Brauchtums und insbesondere des Bauernstandes eintrat. Auch eine gewisse Duldsamkeit gegenüber überkommenen Schul- und Bildungsstrukturen, schonender Umgang mit Industriellen, Militärs etc. ist im Vergleich zu Stalins Vorgehen bemerkenswert, auch wenn man dies nachträglich allein als Taktik zur Kriegsvorbereitung deutet. Die Rücksichtslosigkeit welche mit der Verfolgung der politischen Gegner früh zu Tage trat, steigerte sich in dem Maße, wie die Überforderungen und Rückschläge im Kriegsgeschehen die Ahnung der heraufziehenden Niederlage verstärkte. Die Selbstüberschätzung und der Größenwahn wurden durch die Anfangserfolge fast erzwungen; Hitlers Vorstellungen von einer jüdischen Weltverschwörung waren immerhin noch im Ansatz einfühlbar, aber der Umschlag in die Völkermordbefehle nicht mehr durch Ideologie zu entschuldigen.
Hitler wurde zu einem Schwerverbrecher. Er selbst vermied es möglichst, sich anzusehen, was er angerichtet hatte; als sein Zug eine Gruppe von Soldaten im Heimaturlaub passierte, wandte er sich vom Zugfenster ab; über einen KZ-Besuch Hitlers ist nichts bekannt. Was er im Schwächestadium der Endphase, als er sozusagen sich als die Verkörperung Deutschlands auffasste und die Zerstörung aller überlebenswichtigen Anlagen vor seinem Selbstmord anordnete, kann man Hitler als Unzurechnungsfähigkeit zuschreiben.

Entscheidend aber sind Überlegungen, eine derartigen oder ähnliche politischen Fehlentwicklungen für die Zukunft vorzubeugen.
Unser geschriebenes Grundgesetz bietet davor wenig Schutz. Besonders deutlich wurde dies heute in der europäischen Finanzkrise, nachdem unsere Politiker zustimmten, dass alle Stabilisationsmaßnahmen für die Euro-Währung vertragswidrig aufgegeben werden und sich mit der Übergebung der Währungshoheit an die Brüsseler EU-Bürokratie unsere Parlamentarische Demokratie praktisch selbst entmachtet.
Wer kann voraussehen, ob in der Folge eines Währungszusammenbruchs nicht unsere „Wohlstandsdemokratie“ in einen blutigen Bürgerkrieg abtriftet? Die politisch geförderte, verwöhnte Multikulti-Gesellschaft dürfte kaum so solidarisch sein wie es die deutschnationale war. Und wenn dann wieder ein Retter auftritt?

Deutschland, Europa, die westliche Welt befindet sich in einer Fehlentwicklung, wie sie etwa Oswald Spengler in „Der Untergang des Abendlandes“ (1918/22) bereits vorausgesagt und mit der zeitlichen Befristung alter Hochkulturen verglichen hatte.
Mit Biotelie in Gestalt einer langzeitpolitischen Kontrollinstanz, so meine Behauptung und Erwartung, könnte diese schicksalhaft erscheinende Entwicklung unserer Hochkultur infolge überflutenden Wohlstands, Sittenverfalls und Selbstaufgabe unter Rückbesinnung auf die wesentlichen Werte und Weiterentwicklung aufgehalten werden. Die biotele, überstaatlich (transnational) organisierte Kontrollinstanz könnte als Regelungsinstrument im natürlichen und kulturellen Wettbewerb an die Stelle moderner Kriege treten.
Besonders für Deutschland bedeutete der Versuch des nationalsozialistischen Regimes, biologische Maßstäbe in die Staatsdoktrin aufzunehmen, einen herben Rückschlag für die politische Vernunft. So wurde aller Welt vorgeführt, wie es gerade nicht sein darf.
Der weitere rasche Geburten- und Bevölkerungsanstieg auf der Erde verbunden mit Naturzerstörung und Ressourcenraubbau gestattet der Menschheit jedoch keinen längeren weiteren Verzug, die Problematik einer erträglichen vernünftigen Geburtenlenkung anzugehen, die zugleich auch gesundheitliche Gesichtspunkte, einschließlich erbhygienischer (eugenischer), berücksichtigt. Dabei ist ein längerer Zeitraum der Datensammlung über Gesundheitszustände und der Erforschung ihrer Grundlagen Voraussetzung; dies hat dem biotelen Aspekt des VERGLEICHENS unter strikter wissenschaftlicher Unabhängigkeit und frei von nationalen und kommerziellen Interessen zu entsprechen. Der biotele Aspekt der HYPARCHIE (Minimierung von Gewalt, Zwang und Bedrohung) und die direktdemokratische Abstimmung der aufgeklärten Betroffenen haben die Einhaltung der Bedingungen von Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu garantieren.

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